Über den Tellerrand hinausschauen: Welche Projekte die EU fördert

Europa steckt inmitten der digitalen Revolution. Man gibt sich modern, möchte einen barrierefreien, digitalen Binnenmarkt schaffen und ein innovatives Exzellenzzentrum aufbauen. Und auch wenn die Rolle der EU dabei nicht immer offensichtlich ist, werden doch einige Anstrengungen unternommen, um diesem eigenen Anspruch gerecht zu werden.

Europäische Hindernisse

Informationstechnologien sind ein wichtiger Teil der Strategie Europas für künftiges Wirtschaftswachstum. Dabei wächst die digitale Wirtschaft bereits heute sieben Mal schneller als die Realwirtschaft. Was so zukunftsgewandt klingt, scheitert manchmal schon an den Kompatibilitätsproblemen von länderübergreifenden Breitbandzugängen. Nationale Bestimmungen – von Zollvorschriften bis Datenschutzregelungen – verhindern echten europäischen Warenverkehr: Nur etwa 15 Prozent der Bevölkerung kauft online im Ausland ein.

Ein funktionierender digitaler Binnenmarkt könnte eine enorme Wirtschaftsleistung erbringen und zugleich Hunderttausende Arbeitsplätze schaffen. Das wissen auch die Verantwortlichen in Brüssel: Die Strategie für einen digitalen Binnenmarkt umfasst 16 Initiativen, die sich um Themen wie Urheberrechte oder Cybersicherheit drehen, und soll bis Ende 2016 umgesetzt werden.

Fördermittel für den IT- und Technologiebereich aus EU-Töpfen

Ein wichtiger Bestandteil dieser Strategie ist die Unterstützung von Forschung und Innovation durch Fördermittel. Immerhin knapp 850 Millionen Euro stehen in der aktuellen Förderperiode bis 2020 als „Startup Europe“-Initiative für die Förderung von kleinen und mittelständischen Unternehmen sowie Start-ups aus dem Technologiebereich zur Verfügung. Ähnlich wie bei nationalen Förderprogrammen legen auch die europäischen Instanzen Wert auf den innovativen Charakter einer Geschäftsidee, es soll etwas sein, das die Gesellschaft voranbringt und was es heute so noch nicht gibt.

Wer von den Fördermitteln profitieren möchte, muss genau hinschauen. Nicht jedes Programm eignet sich für jeden Businessplan und jede Ausschreibung hat ihre Tücken. Manchmal müssen mehrere europäische Partner eingebunden sein (Eurostars), ein anderes Mal wollen über einhundert Seiten Antrag ausgefüllt werden (Horizon 2020). Aber: Wer eine gute Bewerbung um Fördermittel abliefert (und sich dabei idealerweise von Experten beraten lässt …) hat gute Chancen auf finanzielle Unterstützung.

Ein Überblick über Förderprogramme für europäische Unternehmen des ICT-Sektors:

  • Ein neues Instrument im Rahmen von Horizon 2020, dem Rahmenprogramm der EU für Forschung und Innovation, ist das mit 500 Millionen Euro dotierte „SME Instrument“. Es deckt mehrere Technologiebereiche ab, ICT ist einer davon. SME Instrument richtet sich an kleine und mittelständische Unternehmen, die mindestens zwei Jahre am Markt sind und vereinfacht das ansonsten recht komplizierte Horizon-2020-Verfahren deutlich. Ein weiterer Vorteil: Bewerbungen sind nicht nur jährlich, sondern alle drei Monate möglich.
  • Mit dem „Fiware Accelerator Programme“ fördert die EU-Kommission KMUs und Start-ups mit innovativen Projekten, die den Markt durchdringen können und die Grundlage für nachhaltigen Handel bieten.
  • Riskante zukunftsweisende Wissenschaft und technologische kollaborative Forschungsprojekte erhalten Unterstützung durch das Programm „Horizon FET Open Call“.
  • Das „COSME“-Programm soll vor allem die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen fördern. Dabei geht es zum Beispiel um den leichteren Zugang zu Finanzmitteln und neuen Märkten innerhalb der EU.
  • Eurostars“, ein Programm im Rahmen der EUREKA-Initiative, zielt auf kleine und mittelständische Unternehmen, die gemeinsam mit europäischen Partnern wissenschaftlich forschen.

Es lohnt sich, über den deutschen Tellerrand zu schauen und die europäischen Förderprogramme einmal unter die Lupe zu nehmen. Ein unverbindlicher Fördermittelcheck hilft vorab, die in Frage kommenden Programme einzugrenzen.

Übrigens: Einen unserer nächsten Blogposts widmen wir speziell den Details rund um das SME-Instrument sowie der Frage, unter welchen Umständen sich eher europäische Förderprogramme empfehlen oder wann man lieber auf nationale Möglichkeiten zurückgreift.