EU-Förderung für IT-Projekte und Start-ups: Jenseits des Horizonts?

Die EU-Förderprogramme erweitern die Möglichkeiten, an finanzielle Unterstützung für ein Technologievorhaben zu kommen, deutlich. Die vergebenen Budgets fallen zum Teil deutlich höher aus, als das bei lokal aufgelegten Programmen der Fall ist. Doch liegt die EU deshalb näher als die Region, in der das eigene Unternehmen ansässig ist?

Manchmal ja, aber nicht unbedingt. Denn oft sind die europäischen Anforderungen sehr hoch: So können Unternehmen beispielsweise nur dann mit Fördermitteln aus Horizon 2020, dem Rahmenprogramm der EU für Forschung und Entwicklung, rechnen, wenn sie mit mindestens zwei Partnern aus zwei anderen EU-Mitgliedsstaaten zusammenarbeiten und sich gemeinsam bewerben. Dabei benötigen die Projekte eine Art europäische Vision: Soll heißen, der innovative Charakter der neuen Technologie muss die Idee eines europäischen, digitalen Binnenmarktes unterstützen. Manchmal ist der Bezug zu Europa nicht eben einfach darzustellen. Die Antragsformulare sind zudem komplex und müssen häufig in Englisch ausgefüllt werden.

SME Instrument: EU-Förderung im handlichen Format

Dennoch lohnt sich der Blick nach Europa, wie sich an einem ganz konkreten Beispiel zeigt. Die EU als Förderinstitution weiß sehr wohl um die Schwierigkeiten kleiner und mittelständischer Unternehmen mit den komplexen Anforderungen von Horizon 2020 umzugehen. Deshalb wurde innerhalb von Horizon 2020 das „SME Instrument“ geschaffen – gewissermaßen eine etwas handlichere Variante für KMUs.

Das Programm im Überblick:

  • Im Fokus: Ideen mit hohem Marktpotenzial und Innovationsgrad aus verschiedenen Themenfeldern wie zum Beispiel Informations- und Kommunikationstechnologien.
  • Gefördert werden kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) mit maximal 250 Angestellten sowie weniger als 50 Millionen Euro Jahresumsatz.
  • Die Unternehmen müssen gewinnorientiert ausgerichtet und bereits mindestens zwei Jahre am Markt sein sowie ihren Sitz in der EU haben. Das Förderinstitut erwartet eine europäische bzw. internationale Marktausrichtung. Im Gegensatz zu Horizon 2020 ist die Förderung von Einzelunternehmen aber möglich.
  • „SME Instrument“ unterscheidet drei Projektphasen: die Machbarkeitsstudie, die Umsetzung und die Markteinführung. Für die beiden ersten Phasen können Fördergelder eingeworben werden. Bei Antragstellen sollten notwendige Forschungsergebnisse und ein Prototyp zur Demonstration bereits vorliegen.
  • Ein vorläufiger Business-Plan mit etwa zehn Seiten Umfang genügt für die Bewerbung in Phase 1. Innerhalb von drei bis sechs Monaten geförderter Projektdauer wird nachgewiesen, wie sich das Produkt oder die Dienstleistung effektiv auf den Markt bringen lässt. Das Ergebnis: ein detaillierter Business-Plan als Basis für Phase 2-Fördermittel.
  • Die Bewerbungen können jederzeit eingereicht werden, die Sichtung der Unterlagen erfolgt zu festgelegten Stichtagen etwa alle drei Monate; ein weiterer Vorteil gegenüber den jährlichen Ausschreibungen von Horizon 2020.

Ob der Horizont eher regional oder doch europäisch ist, entscheidet der Charakter des Projektes. Natürlich bewerben sich in Brüssel insgesamt mehr Unternehmen um das ausgeschriebene Geld, aber wenn das Projekt gezielt die Vorgaben der Förderer trifft, stehen auch hier die Chancen auf Förderung gut.