Quo vadis, Fördermittel? Wie sich Förderprogramme verändern (müssen)

Seit mittlerweile fünf Jahren unterstützen wir Unternehmen bei der Beantragung von Fördermitteln. Wir wissen, welche Förderprogramme für welche Projektvorhaben geeignet sind. Wir haben beobachtet, wie sich die Förderprogramme in den letzten Jahren verändert haben. Und wir sehen, welche Veränderungen noch zu erwarten sind.

Anpassung an die Bedürfnisse innovativer Unternehmen

Die Förderprogramme müssen sich an die Geschäftsmodelle heutiger kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) anpassen, wenn sie nicht wichtige Wirtschaftszweige wie die Digitalwirtschaft von der Förderung ausschließen wollen. Ein Beispiel für eine solche Anpassung ist das GRW-Förderprogramm (Gemeinschaftsaufgabe Regionale Entwicklung) in Berlin.
Lange Zeit waren KMU der Digitalwirtschaft von der Förderung ausgeschlossen, da ihre Erlösmodelle oft auf der Lizenzierung von Softwarelösungen an andere Unternehmen beruhten – bisher war die „Vermietung von Wirtschaftsgütern“ jedoch ein Ausschlusskriterium. Ebenso ausgeschlossen waren Provisionserlösmodelle. Damit kam die GRW-Förderung für die meisten KMU, die innovative Software entwickeln und vertreiben, nicht in Frage. Das Ziel, die regionale Investitionstätigkeit zu stärken, konnte so für die Berliner IT-Branche nicht erreicht werden.
Das Land Berlin hat diese unzeitgemäße Regelung 2016 aufgehoben. Auch andere Bundesländer werden die Voraussetzungen zur Förderung an die aktuellen Bedürfnisse der Unternehmen anpassen müssen, sodass die Fördermittel sinnvoll abgerufen und eingesetzt werden können.

Zukunftsfähige Finanzierungsmodelle

Gerade Programme auf Landesebene werden in Zukunft sicherstellen müssen, dass auch bei Haushaltsengpässen ausreichend Mittel zur Förderung bereitstehen. Daher werden Unternehmen neben nicht rückzahlbaren Zuschüssen zunehmend auch einen Anteil der Förderung als zinsgünstige Darlehen erhalten. Durch die Mischung aus nicht rückzahlbaren und rückzahlbaren Mitteln stellen die Länder sicher, dass die Fördertöpfe durch den Mittelrückfluss auch langfristig gefüllt sind, um innovative Unternehmen unterstützen zu können. Auch hier gibt es in Berlin mit dem Programm Pro FIT ein Beispiel, das als Vorbild für andere Bundesländer dienen kann und vom Land Brandenburg bereits aufgegriffen wurde.

Vereinfachte Antragsprozesse

Bei vielen Förderprogrammen ist die Antragsstellung ein sehr aufwändiger und zeitraubender Prozess. Wir gehen davon aus, dass sich dies in den nächsten Jahren ändern wird. Immer mehr Programme werden mit mehrstufigen Verfahren arbeiten, bei denen der erste Antragsschritt keine zu große Hürde mehr darstellt. So ist beispielsweise beim Förderprogramm KMU-innovativ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) im ersten Schritt nur eine bis zu zehnseitige Antragsskizze notwendig.
Ein wesentlicher Vorteil dieser Verfahren ist, dass das Angebot niedrigschwelliger ist als bisher. Antragssteller, die noch nicht alle Kriterien erfüllen, erfahren so deutlich schneller, dass eine Förderung für sie nicht in Frage kommt. So sparen sie sich unnötigen Aufwand – und wagen vielleicht später eher noch einmal einen weiteren Versuch.
Allerdings ist es natürlich auch bei diesen mehrstufigen Verfahren sehr wichtig, dass bereits im ersten Schritt überzeugend dargelegt wird, warum das Projektvorhaben förderwürdig ist. Das Verfahren ist schneller, aber damit nicht automatisch einfacher.


Mehr zu diesem Thema lesen Sie im Interview mit Thomas Schröter bei media.net berlinbrandenburg.