Hinterm Horizont geht’s weiter – 100-milliardenschwerer Nachfolger von Horizon 2020 vorgestellt

Horizon Europe heißt das Rahmenprogramm, das ab 2021 europäische Forschung und Entwicklung mit einem Gesamtvolumen von fast 100 Milliarden Euro stärken soll. Damit wäre Horizon Europe weiterhin der weltweit größte Fördertopf für Innovationsförderung. Gerade hat die Europäische Kommission ein erstes detailliertes Proposal vorgestellt, das Einblicke in die Förderlogik gewährt. Der Nachfolger von Horizon 2020 soll auf drei Hauptpfeilern stehen: Zwei zielen auf Grundlagenforschung und Innovation ab, der dritte und zentrale Pfeiler, für den mehr als die Hälfte des Budgets geplant ist, soll Lösungen zu den dringlichsten gesellschaftlichen Herausforderung Europas auf den Weg bringen. Die Kommission clustert diese in ‚health‘, ‚inclusive and secure society‘, ‚digital and industry‘, ‚climate, energy and mobility‘ und ‚food and natural resources‘.

Wie schon bei Horizon 2020 soll auch Horizon Europe keine Wolkenkuckucksheimmanufaktur sein. Die Anwendbarkeit und Umsetzbarkeit spiele auch künftig eine zentrale Rolle in der Bewertung von Förderanträgen, denn „taxpayers don’t know why you need €1 billion to map the brain, but if you tell them that you are going to cure Alzheimer’s disease, they get it“, fasst der EU-Kommissar für Forschung, Wissenschaft und Innovation Carlos Moedas bei der Vorstellung des Proposals in Brüssel zusammen.

„Top-Down-Innovationssysteme funktionieren nicht“

Zudem sollen Innovatoren durch ein geändertes Antrags- und Bewilligungsverfahren dazu ermutigt werden eigene Ideen einzubringen. Hierfür fließen zehn Milliarden Euro in einen eigens geschaffenen Europäischen Innovationsrat (EIC), der bahnbrechenden Technologien zur Marktreife verhelfen soll und in diesem Jahr als Pilotprojekt im Rahmen von Horizon 2020 startet. Top-Down-Innovationssysteme würden nicht funktionieren und nur zu inkrementellen Fortschritten führen, begründet Moedas diesen Schritt.

Selbst wenn jetzt ein langwieriger Verhandlungs- und Genehmigungsprozess bevor steht, der das Proposal an der ein oder anderen Stelle stutzen wird, stimmt der erste Entwurf hoffnungsfroh. Es macht den Anschein, als könne Horizon Europe auf Basis einer umfassenden Evaluation von Horizon 2020 dazu führen, dass noch attraktivere Förderbedingungen auf ein faireres und transparenteres Verfahren treffen. Digitalen Innovationen könnte künftig ein Nährboden bereitet werden, auf dem europäische Lösungen hoffentlich schneller wachsen werden als anderswo Probleme.